Worte in Schrift und Klang - der Teaser für das zweite Band

Schneeweißchen und Rosenrot
Sabine Römmer

Diese neue Spiegelwelt
ist fremdbekannt
und es gefällt
was ich da tu
wie’s mir gefällt
wenn deine Hand
schneeweiß und weich
den Schenkel hält
und mir den Blick
nicht mehr verstellt

Lass deine Lippen
meine Lippen
auf deinenmeinen
unsren Rippen -
und wie sie an
Rotröschen nippen
(Wie sinnlich deine Brüste wippen!)

Komm reiz mich
spreiz dich knie dich
leg dich
hin und auf und in
und neben mich.
Erst deine und
dann meine Hügel

Zeig mir an mir
ob wild ob sacht
und ich zeig dir
wie frau es macht.
Komm mach komm mach
Komm
schenk mir Flügel

Der Hörtext zum Gedicht

* * *

Das Band
Matthias Höhnel

Immer wieder sah er in ihre Augen.

Wie sehr er sie liebte. Selbst wenn sie ihre Augen schloss, um sich noch intensiver zu spüren, wenn keine visuelle Ablenkung ihre Konzentration auf das Körperliche stören sollte, selbst dann verwiesen die geschlossenen Lider nur um so deutlicher auf die dunklen Seen, die hinter ihnen verborgen lagen. Er spürte das Phantombild ihres Blickes, er spürte die Wärme auf seiner Haut, die dieser Blick hinterließ. Er drang durch Kleidungsstücke und zielte direkt dahin, wo das Gefühl entspannter Wollust entstand. Er erinnerte sich, wie sie ihn ansah als er den Reißverschluss hinten an Ihrem bunten Sommerkleid öffnete und es ihr dann von den Schultern streifte. Sie stand nur da und atmete und sah ihn an. ‚Ich will jetzt mit Dir schlafen’. Das sprach der Blick.

Er sah ihre bloßen Schultern.

Sie waren so schön, dass es ihn schmerzte.  Der Duft ihrer Haut, dort wo ihr Hals endete, diese Kuhle da. Er konnte nicht daran riechen, fühlen, küssen ohne Reaktion in seinem Unterleib.  Er spürte den Blutstrom, das Pochen des Pulses, die Anschwellung.

Nur noch raus aus den Hüllen, künstlichen Häuten, Riemen, Schnallen, alles weg, aus dem Weg, frei, in die Freiheit, vor und zudringen, zu dieser anderen Haut, die da wartet, vor ihm steht, auf ihn. Er spürte den mächtigen Drang.
Auf ihrer Schönheit kam er zu liegen, strecken, reiben, fallen lassen, sein Körper dehnte und spannte sich über sie. Das Atmen fiel beiden sichtbar schwerer. Der Kopf wanderte unwillkürlich, unaufhaltsam die Haut hinab. Gesicht, Hals, Kuhle.

(Das Gefühl der Lippen am Fuß ihrer Brust, dort wo es am weichsten scheint. Er konnte es beinahe spüren, wie sich die feinen Härchen auf ihrem Arm aufstellten und ihre Schenkel die Bequemlichkeit einer offeneren Lage testeten.)

Die Lippen, die Nase glitten hinauf, dem nachgiebigen Gefühl subkutaner Polsterung hinterher, silikonfreie Wonne, das Wunder menschlicher Frauen, gab es etwas Schöneres zu umfassen? Mit der weichen Nasenspitze die Warze berühren, die sich schon erfreut zusammenzog, den Kuss begehrte, der Zunge sich entgegenrichtete. Das Blut füllte die Körper, straffte die Häute, reckte, öffnete, feuchtete, steifte und wärmte.

Er konnte die ruhige Gewissheit ebenfalls spüren, genau wie er das Brennen ihrer warmen Hand auf der Haut zu spüren glaubte.

Der Kopf wanderte tiefer und überließ den Händen die Hoheit über die Brüste. Alexandras Atem wies ihm dabei den Weg über die Ebene ihres Leibs. Wenn er sie jetzt am Nabel berührt hätte.

(Lachend hätte sie ihn von sich gestoßen, das Kribbelgefühl wäre aus ihr herausgeperlt, und es wäre gar nicht sicher gewesen, ob diese Albernheit hätte wieder eingefangen werden können.)

Aber er war zu erfahren mit ihr. Die Gefühle drängten das Gesicht tiefer. Es rieb sich an Innenseiten und am Bikiniansatz. Das war das Problem jeder Rasur. Hatte man einmal damit angefangen, war es schwer wieder ein weiches Fell zu kriegen. Die Zunge umschiffte geschickt jede Irritation und tastete sich sanft zu Wesentlichem vor.

(Der Geschmack ihrer Scham erinnerte ihn immer an Sommer, Hochsommer, wenn Sonne und Schweiß mit den künstlichen Aromen der täglichen Körperpflege aufregende neue Düfte komponierte. Stille, schwere Gerüche, die einem den Verstand vernebelten, lastend, fordernd nach mehr, sich zu mischen und zu wälzen. Oh, wie er sie liebte.)

Wie immer hielt sie nichts zurück. Sie schob ihm das Becken entgegen und stopfte sich mit einer unauffälligen Bewegung ein Kissen unter ihren wundervollen  Hintern. Sie erleichterte den Zugang, bot das Fleisch dar, (das seines war). Die Zunge bewunderte mit großer Fertigkeit die fleischigen Lippen, streichelte sich vor und zurück, auf und ab und wurde nicht müde die Spalte zu lecken, zu saugen, ganz leicht, in ihr Stöhnen zu knurren, die Schwellung zu drücken . Ein Finger verirrte sich zwischen die Säfte und bezog Wohnung in der Höhlung.

Als ihre Beine zuckten und ihre Hände seinen Kopf tiefer in ihr Geschlecht drückten, wie um die leise schmatzenden Geräusche zu ersticken, die ihre Vagina beim Orgasmus von sich gab, schaltete er das Band ab.

Er hatte es sich jetzt dreimal angesehen. Es gab keinen Zweifel. Er hob langsam den Kopf in Richtung auf die Personen, die im Halbdunkel verborgen auf der anderen Seite des gewaltigen Schreibtisches saßen.

„Ihr kennt den Kerl?“ Er wartete das Nicken der Anwesenden nicht ab.
„Legt ihn um. Und die kleine Schlampe auch.“

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